Bepackt mit Kuchen, Kleingebäck, etwas Tannengrün, Geschenken, Bibeln und Kalendern stehen wir vor dem großen Eingangstor der Justizvollzugsanstalt. Die Wärter sind heute besonders freundlich und lassen uns ohne Kontrolle passieren. Durch lange Gänge und viele auf- und zugeschlossene Eisentüren gelangen wir zum tristen Kontaktgruppenraum.
Nun werden die Tische gedeckt, die mitgebrachten Kerzen angezündet und kleine Geschenke für die Inhaftierten auf die Plätze verteilt. An solchen Tagen sind viele hier niedergeschlagen oder gar depressiv. Sie denken an Zuhause, an vergangene Kindheitstage und an verpasste Gelegenheiten, sehen oft keine Perspektive für ihr Leben.
Wir kommen ins Gespräch. Weshalb feiern wir Weihnachten? Was macht eigentlich Weihnachten aus? Schnell kommen wir auf das Eigentliche des Weihnachtsfestes zu sprechen. Aller Ballast der Traditionen, alles Sentimentale und alles kitschig Süßliche fällt weg. Warum mußte Jesus Christus, der Sohn Gottes, als Mensch auf dieser Erde geboren werden? Einer weiß es noch aus dem Kindergottesdienst: Weil er für die Sünden der Menschen sterben wollte! Richtig, aber wie ist die Sünde in die Herzen der Menschen gekommen? Betroffen hören sie die Botschaft der Bibel von der Katastrophe des Sündenfalls des ersten Menschenpaares, der die unüberwindbare Trennung der Gemeinschaft mit Gott verursacht hat und damit den Tod und das Gericht Gottes über uns Menschen.
Wie ein Silberstreif am Horizont nehmen sie die frohmachende Weihnachts-Botschaft mit in ihre Zellen: Der Retter ist gekommen! Er kann und will die Frage meiner Schuld und Sünde lösen! Eberhard Platte