Und das soll ein Gott der Liebe sein?! So heißt es oft, wenn den Menschen Unglücksfälle begegnen. Aber nicht nur Leute, die von Gott nichts wissen wollen und Gründe für ihre Haltung suchen, reden so, sondern oftmals auch Christen.
Solange alles glatt läuft, halten wir uns für fromm und meinen, mit Gott auf einer Wellenlänge zu liegen. Gott aber sieht in unser Herz hinein und entdeckt dort manche Selbsttäuschung. So lässt er diese oder jene Schwierigkeit kommen, damit – wie unser Tagesspruch sagt – wir erkennen, wie es wirklich bei uns aussieht. Plötzlich ist alle fröhliche Zuversicht dahin, ja, es kommen Zweifel auf, die so abgrundtief und finster sein können, dass wir nie geglaubt hätten, uns könne so etwas passieren. Alles, selbst Gott und seine Verheißungen, scheinen auf einmal nur noch Einbildungen gewesen zu sein.
Wenn wir nicht mauern, sondern unseren jämmerlichen Zustand wirklich zugeben, werden wir ziemlich kleinlaut. »Gedemütigt« nennt unser Textwort diesen Zustand. In allem Elend sollten wir wissen, dass der Herr Jesus Christus nicht aufhört, für seine Leute zu beten. Daraus können wir neue Hoffnung schöpfen. Tun wir das, werden wir danach mehr auf Gott als auf unseren Glauben unsere Zuversicht setzen. Dann hat Gott an dieser Stelle sein Ziel erreicht.
Ja, und wer Gott nicht kennt, dem zeigt er auf diese Weise, wie nötig wir ihn allesamt haben. Kommen solche Menschen aber demütig zu ihm, zeigt er auf das Kreuz des Herrn Jesus Christus und sagt ihnen, dass dort längst alles bezahlt wurde, was wir nie hätten bezahlen können. Gott meint es immer nur gut.
Hermann Grabe