Johann Wolfgang von Goethe war einer der ganz großen universell interessierten Deutschen. Als Augenmensch bewegte ihn auch die Frage, wieso es Farben gibt und wie sie entstehen. Doch war schon längst Newtons Theorie etabliert, nach der Farben als Bestandteile des Lichts verstanden wurden und durch Brechung entstehen. Goethe konnte sich nicht damit abfinden, dass das Licht »zusammengesetzt« sein sollte, für ihn waren die Farben »Trübungen« des weißen Lichts. Obwohl sich Goethe natürlich mit seiner Theorie nicht durchsetzte, hat seine Art, die Farben zu verstehen, großen Einfluss auf die Entwicklung einer Farbenlehre für die Malerei und Farbenpsychologie gehabt. Er war jemand, der Natur und Mensch ganzheitlich zu erfassen suchte. So bewahrte er sich den Blick für Erscheinungen, für die der Naturwissenschaftler kein Interesse hatte. Die Entstehung eines materialistischen Weltbildes konnte aber auch Goethe nicht verhindern. Es begann gerade seinen Siegeszug in Europa anzutreten.
Goethe ahnte, dass die moderne Naturwissenschaft nicht nur die Schöpfung, sondern auch den Menschen auf das Materielle seiner Existenz reduzierte. Was das bedeutete, ist in Europa im 20. Jh. durchexerziert worden. Hitler mit Auschwitz und Stalins Gulag stehen für diesen Irrweg. Der Mensch ist eben mehr als die Summe seiner Moleküle, er ist ein Geschöpf Gottes. Im Bilde Gottes geschaffen, hat er eine Würde, die von seinesgleichen sorgfältig zu achten ist. Der Regenbogen ist deshalb für Christen mehr als eine physikalisch erklärbare Erscheinung. Er ist ein Hinweis darauf, dass das Gericht Gottes am Menschen nicht sein letztes Wort ist, sondern seine Gnade. Karl-Otto Herhaus